
Ausgewählter Beitrag
Das Glück der Lebenslüge
Glück= sich etwas vormachen?
„Nehmen Sie einem Durchschnittsmenschen die Lebenslüge, und Sie nehmen ihm zu gleicher Zeit das Glück.“ Henrik Ibsen war es, der diesen Satz in seinem Schauspiel Die Wildente sprechen lässt.
Als ich diesen Satz erstmals hörte, war ich wie vor den Kopf geschlagen. Gut, dass dieser Satz erst im 5. Akt vorkommt, denn danach konnte ich mich an nichts mehr erinnern. Diesen Satz nahm ich mit nach Hause und bis heute geht er mir nicht aus dem Sinn. Immer wieder, meist dann, wenn ich mich glücklich fühle, kriecht er aus meinem Gedächtnis hervor, bohrt sich in mein Bewusstsein und lässt mich oft einige Tage lang nicht mehr los. „Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?“ „Bist du heute mit dem falschen Fuß aufgestanden?“ Diese und ähnliche Bemerkungen bekomme ich dann zu hören.
"Glück" der Bequemlichkeit?
Mache ich mir etwas vor? Bin ich eigentlich nicht glücklich? Stimmt, jeder Mensch hat Momente, in denen er nicht besonders glücklich ist, sogar trauert. Doch Ibsen schrieb in seinen Wildenten ja nicht von einem traurigen oder tragischen Ereignis, sondern er meinte das Leben, das wir uns selbst gestaltet haben und in dem wir es uns so richtig gemütlich gemacht haben.
Und wenn ich es mir in meinem Alltag so richtig bequem gemacht habe, sind die Daunenkissen, die mich so zärtlich umkuscheln, dann eigentlich Lügen? So oft und so lange ich diesem Gedanken folge, überhäufe ich mich einerseits mit Fakten, doch sofort danach kommt die Frage an mich selbst: „Stimmt das wirklich, bilde ich mir das nur ein oder belüge ich mich bewusst so lange, bis ich tatsächlich glaube, dass ich glücklich bin?“
Geliebt zu werden ist für jeden Menschen enorm wichtig und eine Quelle von Glück. Wenn man richtig geliebt wird, dann ist man glücklich. Aber nicht nur geliebt zu werden, sondern auch selbst Liebe zu geben, ist für die Menschen von großer Bedeutung. Weil Liebe für Menschen einen so hohen Stellenwert hat, möchte ich das Thema „Lebenslüge“ einmal daran festmachen.
Frage: „Liebst du mich?“ Antwort: „Ja, natürlich. Hätte ich dich sonst geheiratet?“ Gedanke: Stimmt das wirklich oder ist es nur bequemer weiterhin mit mir zu leben? Gut, wir kommen gut miteinander zurecht, wir streiten kaum und ich glaube nicht, dass er/sie mich nicht wirklich liebt. Wenn ich jetzt anfange zu zweifeln, dann ändere ich an seiner/ihrer Aussage nichts. Es belastet mich nur. Frage: „Warst du mir immer treu?“ Antwort: „Natürlich. Oder hast du einen Grund an meiner Treue zu zweifeln?“ Gedanke: Was soll er/sie auch sonst sagen. Und selbst wenn er/sie mich belügt, ich glaube, es ist besser, wenn ich es im negativen Fall nicht weiß. Also glaube ich ihm/ihr … obwohl … Ja, es ist besser. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
Und schon sind wir im kuscheligen, warmen Daunenbett der Lebenslügen, ziehen die Decke über den Kopf und halten alles für wahr. Ist auch viel schöner so. Er/Sie liebt mich und er/sie hat mich noch nie betrogen. Also kann ich ruhig weiterhin glücklich mit ihm/ihr sein.
Das Glück nicht durch Zweifel belasten
Wüssten wir immer alles genau, was man über uns denkt, wie oder ob man uns respektiert oder nicht, ob wir echte oder falsche Komplimente erhalten, ob die guten Wünsche wirklich so gut gemeint sind, ob das „Wie geht´s?“ wirklich interessiert, ob die „guten Freunde“ wirklich so gut sind … dann würden wir wahrscheinlich nicht in einem Daunenbett, sondern eher auf einem Lattenrost oder auf einem Nagelbrett schlafen. Ich glaube, Henrik Ibsen hatte mit seiner Theorie über das Glück Recht.
Wie schön können doch die kleinen und die großen Lebenslügen sein. Sie können uns richtig glücklich machen. Nur keinen Fehler machen: Nicht anfangen zu zweifeln!
Glück321 16.07.2010, 14.55 TB | PL | einsortiert in: Persönliches Glück | Tags: Glück
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Kommentare zu diesem Beitrag
1.
von Ferdi
Heisst das, man soll sich in die Tasche lügen?
vom 18.07.2010, 19.09
Heisst das, man soll sich in die Tasche lügen?
vom 18.07.2010, 19.09



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Das Glück
"Glück ist wie ein kleiner, lebhafter Hund, der mit dem Schwanz wedelt.
Glück kann aber auch sein, einen kleinen, traurigen Hund zu streicheln, so dass er anfängt, mit dem Schwanz zu wedeln!"
Willy Breinholst
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